Das FX2 aus der G-Zero Serie des - damals noch amerikanischen - Herstellers Scott war anno 1999 mein Einstieg in den Mountainbike-Kosmos.
Ein relativ schweres Fully, dessen Hinterbau mit einer für heutige Verhältnisse veralteten Eingelenker-Konstruktion, ähnlich der eines Motorrades, gedämpft wurde. Doch wo Schatten ist, muss auch Licht sein - die einfacherer Bauweise bot im Gegensatz zu den schon damals erhältlichen Viergelenkern der High-Tech-Bikeschmieden einen klaren preislichen Vorteil. Einen entscheidenden Vorteil, wenn man gerade von der Schule geflogen ist und die Wartezeit bis zum Ausbildungsbeginn mit dem Auffüllen von Hotelminibars überbrückt.
Nach einem Jahr ließ ich die doch sehr zögerlich ansprechende Federgabel RST Gamma EL gegen eine RockShox Psylo tauschen, die Scott V-Brakes wurden gegen die legendären HS33 von Magura - damals State of the art im Bereich der hydraulischen Felgenbremsen - gewechselt. In den Farben rot und neongelb erhältlich, fügte sich das Rot mit den dazu passenden Brakeboostern gut in das optische Gesamtkonzept ein. Scheibenbremsen waren - als Exkurs für die Frischlinge unter Euch - damals, um die Jahrtausendwende, beinahe ausschließlich im Profibereich und bei MTB-Enthusiasten mit dem nötigen Kleingeld vertreten. The times, they are changin’…
Das Scott G-Zero FX2 war eine eierlegende Wollmilchsau. Dank seiner robusten Konstruktion ermöglichte es rasante Abfahrten und bot am Berg dennoch eine passable Steigleistung. Sein vollgefedertes Fahrwerk bewies viel Barmherzigkeit und verzieh gerade Greanfeichtl’n wie mir manchen Fehler. Einige Dinge bleiben allerdings auch in der Mensch/Bike-Beziehung unverzeihlich, und so führte im Sommer ’02 ein Verbremser in einer verschmutzten Kurve meiner Hausstrecke zum Sturz. Den Highsider mit anschliessendem Überschlag, pikanterweise ohne Helm, überstand ich mit leicht lädiertem Finger.
Im Sommer des Jahres 2005 löste ich mit dem Cube Ltd 5, einem XC-lastigen Hardtail, das altgediente Schlachtross G-Zero FX2 ab. Es erzielte beim Verkauf via Ebay immerhin noch einen respektablen Erlös von 525€. Abzüglich von Angebotsgebühr und Verkaufsprovision amortisierte sich somit der Kaufpreis für das Cube in Höhe von 500€ größtenteils.
Nie wieder danach sollte ich über einen Zeitraum von sechs Jahren an ein und demselben Rad festhalten.
J. Furtwängler
Letzte Artikel von J. Furtwängler (Alle anzeigen)
- Die Biber in Brannenburg (Teil 1) - 16. Oktober 2015
- Ora et labora - 3. Oktober 2015
- The king is dead, long live the king! - 14. September 2015