Artikel getaggt mit "Weyarn"

Unter den Linden auf Bairisch

Gepostet von am Apr 3, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare

Unter den Linden auf Bairisch
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Das Burgstallmanndl vom Seehamer See

Gepostet von am Mrz 5, 2016 in Allgemein | 7 Kommentare

47°50’53“ nördlicher Breite, 11°51’26“ östlicher Länge

Wie auf dem sprichwörtlichen Silbertablett präsentiert uns der Seehamer See diese dunkle Geschichte auf seiner spiegelnden Oberfläche.

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Ironic

Gepostet von am Feb 21, 2016 in Allgemein | Keine Kommentare


47°51’10“ nördlicher Breite, 11°50’2″ östlicher Länge

Ein gutes Dutzend Mal fuhr ich nun schon an dem steinernen Marterl vorbei, das sich an einer Weggabelung der Straße von Kleinseeham nach Bruck neben einem Baum in die Böschung duckt. Graviert in das halbhohe Kreuz sind die Buchstaben HH und die Jahreszahl 1648. Wie ich später erst erfahre, sind es Initialen und Sterbejahr des bedauernswerten Bauern Johannes ‚Hans‘ Hager, die mit krakeliger Hand in Stein gemeißelt wurden. Der Hager Hans hatte die Unbill jener Jahrzehnte andauernden Scharmützel, die später als der 30-jährige Krieg in die Geschichte eingehen sollten, überlebt - nur, um im letzten Kriegsjahr von einem Baum zu Tode zu stürzen.

Ihr findet das Marterl des Hans Hager im Weyarner Ortsteil Kleinseeham an der Abzweigung Brucker Straße -> Alte Straße.

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Des Teufels Whirlpool

Gepostet von am Jul 13, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

An einen verwunschenen Ort wie aus dem Märchen führt uns die heutige Tour. Und auch der Teufel hat seine Finger im Spiel…

Deifi ria di, im Hochdeutschen also „Teufel rühr dich“, so lautet der Name einer ganz besonderen Quelle, die im Wald am Südufer des Seehamer Sees gelegen sein soll. Sogar im WorldWideWeb sind erst seit den letzten Jahren vereinzelte Berichte und einige wenige Bilder zu finden. Es scheint, als habe der Ort davor ein regelrechtes Schattendasein gefristet.

Lebenraum Seeufer: Infotafeln klären über Flora & Fauna auf.

Auf der Suche nach eben jener Quelle verschlägt es den Sedlbauer Done und meine Wenigkeit in den unbesiedelten Süden des Sees. Wobei unbesiedelt nur auf die Spezies Mensch bezogen ist, denn dieser Teil der Uferzone ist Naturschutzgebiet: an beiden Enden des fünfeinhalb Kilometer langen Uferwegs, in Brandlberg und Kleinseeham, stellen Informationstafeln einen überschaubaren Teil der Flora & Fauna des Biotops vor. Frei nach dem Motto

Nach dem Essen sollst Du ruhn‘, oder tausend Schritte tun.

sei der Weg auch jenen empfohlen, die nach Speiß‘ und Trank das am Nordufer gelegene Seehaus verlassen, oder das Spießbratenhaus in Großseeham. Da wir armen Schlucker uns im Vorfeld nicht der Völlerei hingaben, wählen wir den kürzesten Weg, parken ca. 500m hinter Brandlberg an der Straße nach Reichersdorf und tauchen am beschrankten Forstweg in den Wald ein.

Der Weg ist das Ziel

Auf Bohlenwegen und Brücken geht es über Bachläufe.

Obwohl ich den Uferweg schon 2012 mit dem Mountainbike befuhr, müssen wir uns auf eine halbgare Wegbeschreibung aus dem Internet verlassen. Zwar hatte ich schon zum damaligen Zeitpunkt vage von der „Quelle im Wald“ gehört, bewusst wahr nahm ich sie aber beim Ritt über den Trail nicht. Zu sehr kämpfte ich dabei mit Wurzeln und hölzernen Planken.

Immer wieder gibt der Wald den Blick auf den See frei.

Wie weiland Hänsel und Gretel irren wir durch den Wald, machen immer wieder Halt und sehen uns um. Doch die Brotkrumen können im Beutel bleiben. Bevor sich Resignation breit macht, stoßen wir circa zwei Kilometer nach dem Start bei Brandlberg in mittelbarer Ufernähe auf einen hölzernen Steg, gelegen an einem dunklen Gewässer, das auf merkwürdige Art und Weise in sich zu ruhen scheint. Wo ich ein kleines Wasserloch erwartet hatte, breitet sich ein urwüchsiger Tümpel aus: wir stehen vor dem Deifi ria di.

Der mit dem Blubb: Quelltöpfe am Boden des Deifi ria di.

Dem Auge des Betrachters fallen alsgleich lichte Flecken am Teichgrund auf: unterseeische Sandbänke, die einen deutlichen Kontrast zu dem zu Boden gesunkenen, schwarz verfärbten Laub bilden. Inmitten der leuchtenden Inseln regt sich etwas: weißer Sand sprudelt aus dem Untergrund hervor. Die wechselnde Intensität der Eruptionen gemahnt an das Aufstoßen eines leviathanischen Organismus, jenes Urwesens aus der jüdisch-christlichen Mythologie.

Spieglein, Spielglein…

Auf den Stehplätzen der wackeligen Tribüne zieht uns das Schauspiel in seinen Bann. Die Sommersonne bricht mit Macht durch das undichte Dach des Waldes, das lichtdurchflutete Unterholz grenzt sich klar von den schwarzen Wasser zu unseren Füßen ab. Buchstäblich bestechend ist die Klarheit, mit der sich die Wipfel der Bäume auf der Wasseroberfläche spiegeln. Stille Wasser mögen tief sein, aber Ausnahmen bestätigen die Regel.

Auch ohne GEZ-Gebühr stehen sie hier in der ersten Reihe: der Steg am Deifi ria di.

Unter diesem Eindruck kann man sich die Wirkung auf Menschen früherer Zeitrechnung lebhaft vorstellen. Derlei unerklärliche Phänomene wurden von Seiten der Obrigkeit schnell als Teufelszeug deklariert, schließlich hatte man kein Interesse an einer naturreligiösen Renaissance. Individuen mit einer Neigung zur Natur taten gut daran, ihre Affinität nicht allzu offen zur Schau zu stellen. Heutzutage schlimmstenfalls als Esoterikspinner belächelt, schloß man damals rasch nähere Bekanntschaft mit den Elementen, als einem lieb sein konnte: nämlich beim Hexenbad oder auf dem Scheiterhaufen, nach deren Vollzug die Überreste entweder in der Erde verscharrt oder vom Winde verweht wurden.

Mit heißer Nadel gestrickt

Beim Stricken der Legende des Deife ria di indes blieb die Originalität ein wenig auf der Strecke. Den später von Adenauer geprägten Slogan Keine Experimente beherzigte man offenbar schon Jahrhunderte zuvor und griff statt dessen auf altbewährte Motive zurück:

Der Jäger Spielberger hatte einen Wilderer beim - na, was wohl - wildern erwischt und ihn in bester Bayrisch‘ Wild West-Manier hinterrücks erschossen. Erst schießen, dann fragen, so lautete damals die unter Jägern wie Wilderern weitverbreitete Devise. Da Spielbergers Tat weder von Recht und Gesetz gedeckt noch sonderlich dazu geeignet war, sich Freunde unter der einfachen Landbevölkerung zu machen, versenkte er den Toten kurzerhand im schattigen Tümpel unweit des Ufers.

Diesen Frevel nimmt der Teufel seitdem zum Anlass, Wasser aus dem feuchten Grab des Unglückseligen zu sprudeln; provoziert man ihn mit Bocksprüngen und der lauten Aufforderung

Deifi, ria Di!

- die in akzentfreien Bairisch vorzutragen ist - wirbelt der Leibhaftige mit kreisendem Klauenfinger Sand und Wasser auf. Mit welcher Kraft er das tut, belegen Äste und Zapfen, die in gebührendem Abstand die blubbernden Quellen umringen. Hat da etwa jemand heimlich mit der Fingerhantel geübt?

Kein Teufelswerk

Fast bedauere ich es, ein voll vernetzter Mensch der Postmoderne zu sein, der auf Schritt und Tritt in der Lage ist, die Hintergründe dieses Spektakels zu durchleuchten. Letztendlich muss ich mir eingestehen, dass weder der Leibhaftige noch andere chthonische Mächte für den natürlichen Whirlpool verantwortlich sind: Grund für die Aktivität am Teichboden sind sogenannte artesische Quellen, die vom Druck des in den umliegenden Hügeln gespeicherten Grundwassers gespeist werden.

Als wir den Ort nach einer guten Stunde wieder in die Einsamkeit übergeben, nimmt das Brodeln merklich ab.
Weiß der Teufel, warum.

Wer noch mehr Interesse an Sagen und Legenden aus dem Oberland und rund um den Seehamer See hat, dem sei das Standardwerk der Sagenforscherin Gisela Schinzel-Penth wärmstens empfohlen:

 

  • Tipp bei der Anfahrt mit dem Auto: die A8 in Fahrtrichtung Salzburg kann direkt und mit Segen der Behörden vom Parkplatz Seehamer See aus verlassen werden
  • Parken für ganz Eilige: im Südosten in Haltebuchten (bei schlechter Witterung feucht und matschig, da nicht asphaltiert) an der Straße von Brandlberg nach Reichersdorf
  • Ebenfalls für die schnelle Truppe: im Nordwesten an der Straße von Groß- nach Kleinseeham, kurz vor der „Uferpromenade“
  • Der Idealfall: der Parkplatz Großseeham direkt an der westlichen Ortseinfahrt
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