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Rendezvous mit den Göttern

Gepostet von am Nov 22, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Maierhöfen-Trilogie geht weiter: den Eistobel, Great Canyon des Westallgäus, links - naja, eigentlich rechts liegen gelassen, geht es weiter nach Grünenbach.

Nur ein weiteres verschlafenes Dorf, wie es sie allein im Allgäu zu Dutzenden gibt. Das wäre Grünenbach ohne Staatsstraße. So reichte es immerhin zu einer Sparkasse: doch weder sexy Zinskonditionen noch eine attraktive Bankangestellte sind es, die mich hierher locken.

Grünenbachs „Kult- und Thingplatz“ fällt dem aufmerksamen Betrachter gleich am östlichen Ortseingang ins Auge. Majestätisch wie die Zacken einer Krone ragen Eschen in den klaren Herbsthimmel.
Der Name Grünenbach leitet sich von der Ortsbezeichnung „am grünen Bach“ ab, und der entspringt direkt unterhalb des Kultplatzes. Selbst vom Drahtesel aus ist aber nur sein Schilfgürtel zu sehen.

Die Suche nach dem Zugang zur Kultstätte gleicht einer (Land)partie „Das Verrückte Labyrinth“. Vorbei an bäuerlichen Anwesen, kleinen Handwerksbetrieben und verschachtelten Wohnhäusern, endet meine Queste am südöstlichen Ortsrand vor einer Reihe Abfallcontainer; eine wenig illustre Formation, die in krassem Gegensatz zu der rund 50 Meter entfernten Erhebung steht.

Ein Weidezaun hindert mich an der näheren Inaugenscheinnahme. Die Gedenktafel des „Kult- und Thingplatz der Schönau (an der Quelle des grünen Baches)“ bekomme ich nicht zu Gesicht. Errichtet wurde sie in den 1930er Jahren - vermutlich von den Nationalsozialisten, zur Rückbesinnung auf „völkisches Erbe“.

Tatsächlich ist der Hügel ein überwucherter „erratischer Block“ - ein auf Irrwegen hierher gelangter Felsbrocken, in diesem Fall ein Nagelfluhblock. Welche Naturgewalt den sieben Meter langen Stein auch nach Grünenbach beförderte - sie ist nicht verantwortlich für die Begradigungen, die man an zwei Seiten entdeckte. Wie Brandspuren, Knochen und Scherben sind sie Hinterlassenschaften menschlicher Steinhauer, die mit Schanzarbeiten wohl auch die Stufenform der Anlage herstellten. Unweit entfernt förderten in den 70’er Jahren Erdbewegungen für ein Neubaugebiet Reste römischer Straßenpflasterung zutage. Vermutet wird eine lokale Verbindung von Brigantium (Bregenz) über Vermani (Isny) nach Cambodunum (Kempten).

Die Urheber des Kultplatzes entkamen unerkannt im Dickicht der Geschichte. Bauten die keltischen Vindeliker die heilige Stätte? Oder trafen sich hier tatsächlich germanische Alemannen zum Thing - der Volks- und Gerichtsversammlung, nachdem sie um 500 den Limes überrannt und auch das Allgäu besetzt hatten? War es vielleicht eine Kombination aus beidem, gewissermaßen eine interkulturelle und -konfessionelle Nutzung nach Wachablösung der Kelten durch die Germanen?

Im Lichte der Herbstsonne werden die Schatten der Eschen länger. Von meinem Standort bei den Mülltonnen entdecke ich einen weiteren auffälligen Baumhügel ausserhalb des Dorfes.

Es scheint, Grünenbach wäre für Archäologen wie Geomantiker ein reiches Betätigungsfeld.
Ein Wirrwarr von plötzlich beginnenden und abrupt im Nichts endenden Feldwegen und Trampelpfaden hindert mich jedoch auch hier daran, die Örtlichkeit näher zu erkunden. So bleibt es buchstäblich beim „Sightseeing“, bis ich zurück in mein Feriendomizil im fünf Kilometer entfernten Maierhöfen radele.

Ganz Deutschland spricht von der grünen Grenze - ich war vor Ort. In den nächsten Tage folgt der dritte und letzte Teil der Maierhöfen-Trilogie.

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Into the blue

Gepostet von am Nov 13, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

In Maierhöfen im Allgäu verbrachte ich die erste Hälfte der Herbstferien 2015.
741 Meter über dem Meeresboden lädt schon am Morgen des 2. November ein strahlend blauer, wolkenloser Himmel zum Draußensein ein. Mein Mitleid mit den Bewohnern der nebligen Niederungen verfliegt beim Biken rasend schnell.

Auf einem rüstigen Rentner - einem 17 Jahre alten CrossCountry-Hardtail „Timber“ der Marke Steppenwolf - geht’s durch das 1.600-Seelen-Dorf Maierhöfen. Nachdem die schleifenden Bremshebel neu justiert sind, eiert nur noch das Vorderrad - keine schlechte Bilanz nach etwas mehr als eineinhalb Dekaden.

Maierhöfen im Allgäu: Ausgangspunkt meiner Fahrt ins Blaue. Im Hintergund der Gebirgszug der Adelegg.

Vorbei am „Haus Iberg“, einem Altenheim für suchtkranke und psychisch auffällige Personen, steigt die Straße moderat über den Ringenberg an. Auf dem dünenförmigen Hügel, der sich im Nordwesten Maierhöfens erhebt, stand bis ins 18./19. Jahrhundert eine Burg.
Der Weg führt weiter über den Höhenrücken gen Westen. Die Lage oberhalb der sanften, grünen Hügel offenbart den Blick auf die Schweizer Alpen, allen voran der Säntis. So nah, und doch so weit: knappe 120 Kilometer ist der schweizerische Hausberg des Bodensees von meiner Position entfernt.

So nah, so fern: der 2.501,9 Meter hohe Säntis mit Alpstein.

Das Säntisgebirge erinnert mich entfernt an das heimische Wendelsteinmassiv. Zwar ist der Säntis mit exakt 2.501 Metern und 9 Zentimetern um ein gutes Stück höher als der Wendelstein; im Gegenzug fehlt dem Schweizer samt Anhang die vormvollendete Kontur der „Schlafenden Jungfrau„.
Man kann eben nicht alles haben. Mit einer stattlichen Antenne gekrönt sind immerhin Beide.

Nach einer rasanten Abfahrt mit fadenden V-Brakes Richtung Riedholzen, in deren Verlauf ich doch glatt mein ebenfalls geliehenes Käppi im Fahrtwind verliere und so zur Umkehr und Nachsuche gezwungen werde, gelange ich kurz vor der Argentobelbrücke auf die Staatsstraße 1318 von Maierhöfen nach Grünenbach.

Die Argentobelbrücke, die man auf dem Weg nach Grünenbach überquert, baute man anno 1986. Die Höhendifferenz von maximal 56 Metern überbrückte bis dato eine Stahlträgerkonstruktion, die anfangs des 20. Jahrhunderts die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, kurz MAN, errichtete. Seinerzeit war jener Koloss Bayerns höchste Brücke gewesen.
Der Blick durch’s Geländer läßt mich frösteln. War es ein Windstoß, oder doch die Erkenntnis, dass sich hier leider jedes Jahr auf’s Neue einige Lebensmüde hinunterstürzen? Vielleicht ist das Gefühl von Frost und Kälte aber auch Programm, schließlich liegt wenige hundert Meter südöstlich der Argentobelbrücke der Eistobel. Über dieses bekannte Biotop und Naturdenkmal des Westallgäus werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben.

Blick von der Argentobelbrücke: oben im Bild beginnt der Eistobel.

An Denkmälern und Sehenswürdigkeiten herrscht auch sonst kein Mangel. Auf der Grünenbacher Seite der Brücke erinnern Gedenksteine an die vergangenen Glanztaten heimischer Baukunst. Gegenwärtig, während des BER(liner Flughafen)-Desasters und der VW-Krise, wirken sie wie Meilensteine aus der guten, alten Zeit: Balsam auf die Seele deutscher Ingenieurszunft. Unterhalb des neuen Bauwerks, auf dem Weg in den Eistobel - leider hinter dem Infopavillion mit Kassenhäuschen - vermitteln ein Modell im Schaukasten und ein herausgeflexter Originalstahlträger einen plastischen Eindruck der alten Brücke.

Ort: 88167 Maierhöfen im Allgäu

Die Fahrt ins Blaue geht weiter: in der Ortschaft Grünenbach erwartet mich eine mysteriöse Kultstätte. Aber seht selbst…

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