Der frühe Vogel fängt den Wurm: in wochenweise wechselnden Schichten pendelt der Sedlbauer Done werktags von Aibling nach Thansau. Und schon auf dem Weg zur Frühschicht, wenn unsereiner nur mühevoll das nötige Quentchen Energie aufbringt, sich ein letztes Mal im Bett umzudrehen, arbeitet sein Verstand auf Hochtouren. Im Folgenden fasst er seine messerscharfen Gedanken in Worte und teilt uns seine Beobachtungen mit.
Es ist noch kühl, als ich früh morgens das Haus verlasse um den täglichen Weg zur Arbeit anzutreten. Ich atme tief ein und genieße die Züge frischer Morgenluft. Der Duft unbekannter Blumen, im Dunkel des frühen Tages verborgen, und diese frühe Luft riecht so neu und frisch wie der anbrechende Tag. Ich kann die Feuchtigkeit in der Erde, im Holz des Gartenzauns und im Gras riechen, und fühle mich geborgen und entspannt. Als gäbe es zu dieser Stunde keine Menschen. Nur Natur pur. Dämmerung, rötlich und warm, schiebt sich langsam über den Horizont und verläuft langsam in einen blauen und, je höher ich blicke, immer dunkler werdenden Himmel an dem noch die hellsten Sterne funkeln.
Ich steige in mein treues Auto, das mich zuverlässig transportiert und fahre auf die Hauptstraße.
Diese Zeit des Tages macht das Autofahren zu einem Fahrerlebnis, welches mich vollständig für das frühe Aufstehen entschädigt: die Straßen sind leer, Ampeln haben noch nichts zu melden, und ich fahre in meiner eigenen Geschwindigkeit, ohne morgendliche Schlafwagen überholen zu müssen.
Ich teile die Straße mit nur wenigen Pendlern, die wie ich im morgendlich angepassten Tempo, und wie Perlen aufgereiht auf einer Schnur, in auffällig gleichmäßigen Abständen fahren. Es sind nur wenige aufgeputschte Red Bull Junkies unterwegs, die gerne in meinem Kofferraum parken würden. Trägheit und Müdigkeit fahren bei uns allen mit, und verwandeln den Verkehr in einen behäbigen Fluss, welcher sich der Morgenröte entgegen schlängelt.
Dumpf, wie in Watte gepackt, lasse ich meinen Gedanken freien Lauf, und Sie wandern in verschiedene Richtungen und kommen zu ganz eigenen Ansichten über diese Welt, frei von Normen und Zwängen. Und auch in den Autos, die mich auf dieser Strecke begleiten, sitzen Fahrer, deren Köpfe über Gott und die Welt nachsinnen.
Ein langer, nachdenklicher Gedankenkonvoi beladen mit Tagträumen, Sorgen, Wünschen und Hoffnungen rollt da in den neuen Tag hinein. Manchmal wird mir schon recht mulmig, wenn das Ziel, trotz Traumreisen und Gedankenausflügen, von meinem Fahrzeug exakt angefahren wird. Sitze wirklich ich hinter dem Steuer, oder wer fährt da?
Gewohnheit und unterbewusste Vorgänge sind wohl eher mit dem Steuern beschäftigt als meine bewussten Gedankengänge. Denkt man an all die unbewusst gelenkten Fahrzeuge die den täglichen Weg kreuzen, so macht sich schon größeres Unbehagen breit, und werden dann noch Geschwindigkeit und Gewicht der Fahrzeuge mit einkalkuliert, bekommt man es beinahe mit der Angst zu tun. Aber dennoch rollt täglich die Blechlawine auf den asphaltierten Adern unserer Welt, und es funktioniert erstaunlich gut.
Ganz nach Freddies Motto: The show must go on!
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