"Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah."

Johann Wolfgang von Goethe, "Erinnerung"

Drachenzähmen leicht gemacht

Gepostet von am Dez 6, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Der tut nix, der will nur spielen: zur kinderleichten Übung wird das Drachenzähmen mit diesem Ungetüm. Auch einen feurigen Schluckauf muss der kleine (oder große) Drachenreiter nicht fürchten.

Ihr findet das multifunktionale Spielgerät in origineller Optik auf dem Weg von Riedholz in den Eistobel.

Mehr

Schwammerl

Gepostet von am Nov 30, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Autorin Christa Pfafferott hat - nach eigenen Angaben - zehn Tage in einer Aiblinger Pension gewohnt; abschließend fügte sie der Berichterstattung über Bad Aibling in der Post-Snowden-Ära einen lesenswerten Artikel im Magazin der Süddeutschen Zeitung hinzu.

Mehr

An der grünen Grenze

Gepostet von am Nov 28, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Der Maierhöfen-Trilogie letzter Teil: das anhaltend sommerliche Wetter des diesjährigen Herbstes gäbe vortrefflich Anlass zu einem Beitrag über den Klimawandel. Von meiner Warte im Westallgäu scheint mir ein anderes Thema aber naheliegender.

Sonntag, der 1. November 2015.
Im katholisch geprägten Bayern - in meiner oberbayerischen Heimat wie in meinem Allgäuer Feriendomizil - wird heute das Fest Allerheiligen begangen.

Grenzstein und Zaun im Niemandsland zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Über dem Alpenvorland erstreckt sich wolkenlos blauer Himmel. Die strahlende Sonne wäre passender, das farbenfrohe Volksfest des mexikanischen „Día de Muertos“ auszuleuchten, als die von bedrückenden Blechbläsern begleitete Allerheiligenprozession über einen bayerischen Friedhof.
Fern der Heimat bleibt mir der oft als „Grabralley“ verspottete Gang dieses Jahr erspart. Den Schweiß derer, die angesichts des fortgeschrittenen Jahres im schweren Lodenmantel über den Friedhof paradieren, kann ich dennoch förmlich auf der Haut spüren.

Der 1. November 2015 markiert auch den Ablauf des Ultimatums von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer an Angela Merkel. Unter dem Eindruck täglich tausender illegaler Grenzgänger verlangt Seehofer von der Bundeskanzlerin das Schliessen der bayerisch-österreichischen Grenze. Über die Folgen eines Verstreichens der Frist wird viel spekuliert. Marschiert bayerische Landespolizei an der Grenze auf? Baut man, nach ungarischem Vorbild, gar einen Zaun?

An der bayerischen Grenze meines Urlaubsdomizils sehe ich weder Polizisten in schildkrötenartigen Körperpanzern, noch sind Einsatzfahrzeuge und Wasserwerfer aufgefahren. Im Alleingang hält ein steinerner Posten Wacht im Niemandsland.
Statt eines blutrünstigen Stacheldrahtverhaus mit Bewegungsmeldern und Kameras markiert ein einfacher Weidezaun den Verlauf der Grenzlinie. Der Stein ist das augenscheinlichste Merkmal der Grenze zwischen dem württembergischen Isny und der bayerisch-schwäbischen Gemeinde Maierhöfen. Seine Initialen K. B. - Königreich Bayern - reichen zurück in eine Zeit, die von eifrigen Separatisten rückblickend gerne nostalgisch verklärt wird. In München regierte tatsächlich noch ein König, auch wenn es um dessen Geisteszustand nicht immer zum Besten stand. Selbst wenn der Regent bei Sinnen war, ignorierte er teils geflissentlich die Bedürfnisse seiner Untertanen. Mächtigere Herrscher und graue Eminenzen zogen oft genug die Fäden der bayerischen Marionette und machten das Land zum Spielball ihrer Interessen. Die Parallelen ins Hier und Jetzt sind unverkennbar: es hat sich seitdem nicht viel verändert.

Ein Männlein steht alleine, ganz still und stumm: jahrhundertealter Grenzstein in Maierhöfen.

Auch im 21. Jahrhundert trennt diese Grenze noch mehr, als das sie verbindet; das Phrasenschwein bleibt also heute leer. Föderalismus sei Dank, besucht der Maierhöfener Nachwuchs die Schulen des knapp zwanzig Kilometer westlich gelegenen Mittelzentrums Lindenberg.
Auch die blau-silbernen Streifenwagen aus dem sechs Kilometer entfernten Isny haben im bayerischen Schwaben nichts zu melden und machen schon vor der Landesgrenze kehrt: für Ruhe und Ordnung sorgen die klassisch moosgrün und beige uniformierten bayerischen Kollegen, ebenfalls von Lindenberg aus. Lange Anfahrtswege inbegriffen.

Ort: Panoramarundweg auf dem Gelände des Ferienclub Maierhöfen im Ortsteil Stockach

Mehr

Rendezvous mit den Göttern

Gepostet von am Nov 22, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Die Maierhöfen-Trilogie geht weiter: den Eistobel, Great Canyon des Westallgäus, links - naja, eigentlich rechts liegen gelassen, geht es weiter nach Grünenbach.

Nur ein weiteres verschlafenes Dorf, wie es sie allein im Allgäu zu Dutzenden gibt. Das wäre Grünenbach ohne Staatsstraße. So reichte es immerhin zu einer Sparkasse: doch weder sexy Zinskonditionen noch eine attraktive Bankangestellte sind es, die mich hierher locken.

Grünenbachs „Kult- und Thingplatz“ fällt dem aufmerksamen Betrachter gleich am östlichen Ortseingang ins Auge. Majestätisch wie die Zacken einer Krone ragen Eschen in den klaren Herbsthimmel.
Der Name Grünenbach leitet sich von der Ortsbezeichnung „am grünen Bach“ ab, und der entspringt direkt unterhalb des Kultplatzes. Selbst vom Drahtesel aus ist aber nur sein Schilfgürtel zu sehen.

Die Suche nach dem Zugang zur Kultstätte gleicht einer (Land)partie „Das Verrückte Labyrinth“. Vorbei an bäuerlichen Anwesen, kleinen Handwerksbetrieben und verschachtelten Wohnhäusern, endet meine Queste am südöstlichen Ortsrand vor einer Reihe Abfallcontainer; eine wenig illustre Formation, die in krassem Gegensatz zu der rund 50 Meter entfernten Erhebung steht.

Ein Weidezaun hindert mich an der näheren Inaugenscheinnahme. Die Gedenktafel des „Kult- und Thingplatz der Schönau (an der Quelle des grünen Baches)“ bekomme ich nicht zu Gesicht. Errichtet wurde sie in den 1930er Jahren - vermutlich von den Nationalsozialisten, zur Rückbesinnung auf „völkisches Erbe“.

Tatsächlich ist der Hügel ein überwucherter „erratischer Block“ - ein auf Irrwegen hierher gelangter Felsbrocken, in diesem Fall ein Nagelfluhblock. Welche Naturgewalt den sieben Meter langen Stein auch nach Grünenbach beförderte - sie ist nicht verantwortlich für die Begradigungen, die man an zwei Seiten entdeckte. Wie Brandspuren, Knochen und Scherben sind sie Hinterlassenschaften menschlicher Steinhauer, die mit Schanzarbeiten wohl auch die Stufenform der Anlage herstellten. Unweit entfernt förderten in den 70’er Jahren Erdbewegungen für ein Neubaugebiet Reste römischer Straßenpflasterung zutage. Vermutet wird eine lokale Verbindung von Brigantium (Bregenz) über Vermani (Isny) nach Cambodunum (Kempten).

Die Urheber des Kultplatzes entkamen unerkannt im Dickicht der Geschichte. Bauten die keltischen Vindeliker die heilige Stätte? Oder trafen sich hier tatsächlich germanische Alemannen zum Thing - der Volks- und Gerichtsversammlung, nachdem sie um 500 den Limes überrannt und auch das Allgäu besetzt hatten? War es vielleicht eine Kombination aus beidem, gewissermaßen eine interkulturelle und -konfessionelle Nutzung nach Wachablösung der Kelten durch die Germanen?

Im Lichte der Herbstsonne werden die Schatten der Eschen länger. Von meinem Standort bei den Mülltonnen entdecke ich einen weiteren auffälligen Baumhügel ausserhalb des Dorfes.

Es scheint, Grünenbach wäre für Archäologen wie Geomantiker ein reiches Betätigungsfeld.
Ein Wirrwarr von plötzlich beginnenden und abrupt im Nichts endenden Feldwegen und Trampelpfaden hindert mich jedoch auch hier daran, die Örtlichkeit näher zu erkunden. So bleibt es buchstäblich beim „Sightseeing“, bis ich zurück in mein Feriendomizil im fünf Kilometer entfernten Maierhöfen radele.

Ganz Deutschland spricht von der grünen Grenze - ich war vor Ort. In den nächsten Tage folgt der dritte und letzte Teil der Maierhöfen-Trilogie.

Mehr

Into the blue

Gepostet von am Nov 13, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

In Maierhöfen im Allgäu verbrachte ich die erste Hälfte der Herbstferien 2015.
741 Meter über dem Meeresboden lädt schon am Morgen des 2. November ein strahlend blauer, wolkenloser Himmel zum Draußensein ein. Mein Mitleid mit den Bewohnern der nebligen Niederungen verfliegt beim Biken rasend schnell.

Auf einem rüstigen Rentner - einem 17 Jahre alten CrossCountry-Hardtail „Timber“ der Marke Steppenwolf - geht’s durch das 1.600-Seelen-Dorf Maierhöfen. Nachdem die schleifenden Bremshebel neu justiert sind, eiert nur noch das Vorderrad - keine schlechte Bilanz nach etwas mehr als eineinhalb Dekaden.

Maierhöfen im Allgäu: Ausgangspunkt meiner Fahrt ins Blaue. Im Hintergund der Gebirgszug der Adelegg.

Vorbei am „Haus Iberg“, einem Altenheim für suchtkranke und psychisch auffällige Personen, steigt die Straße moderat über den Ringenberg an. Auf dem dünenförmigen Hügel, der sich im Nordwesten Maierhöfens erhebt, stand bis ins 18./19. Jahrhundert eine Burg.
Der Weg führt weiter über den Höhenrücken gen Westen. Die Lage oberhalb der sanften, grünen Hügel offenbart den Blick auf die Schweizer Alpen, allen voran der Säntis. So nah, und doch so weit: knappe 120 Kilometer ist der schweizerische Hausberg des Bodensees von meiner Position entfernt.

So nah, so fern: der 2.501,9 Meter hohe Säntis mit Alpstein.

Das Säntisgebirge erinnert mich entfernt an das heimische Wendelsteinmassiv. Zwar ist der Säntis mit exakt 2.501 Metern und 9 Zentimetern um ein gutes Stück höher als der Wendelstein; im Gegenzug fehlt dem Schweizer samt Anhang die vormvollendete Kontur der „Schlafenden Jungfrau„.
Man kann eben nicht alles haben. Mit einer stattlichen Antenne gekrönt sind immerhin Beide.

Nach einer rasanten Abfahrt mit fadenden V-Brakes Richtung Riedholzen, in deren Verlauf ich doch glatt mein ebenfalls geliehenes Käppi im Fahrtwind verliere und so zur Umkehr und Nachsuche gezwungen werde, gelange ich kurz vor der Argentobelbrücke auf die Staatsstraße 1318 von Maierhöfen nach Grünenbach.

Die Argentobelbrücke, die man auf dem Weg nach Grünenbach überquert, baute man anno 1986. Die Höhendifferenz von maximal 56 Metern überbrückte bis dato eine Stahlträgerkonstruktion, die anfangs des 20. Jahrhunderts die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, kurz MAN, errichtete. Seinerzeit war jener Koloss Bayerns höchste Brücke gewesen.
Der Blick durch’s Geländer läßt mich frösteln. War es ein Windstoß, oder doch die Erkenntnis, dass sich hier leider jedes Jahr auf’s Neue einige Lebensmüde hinunterstürzen? Vielleicht ist das Gefühl von Frost und Kälte aber auch Programm, schließlich liegt wenige hundert Meter südöstlich der Argentobelbrücke der Eistobel. Über dieses bekannte Biotop und Naturdenkmal des Westallgäus werde ich bei Gelegenheit einen eigenen Beitrag schreiben.

Blick von der Argentobelbrücke: oben im Bild beginnt der Eistobel.

An Denkmälern und Sehenswürdigkeiten herrscht auch sonst kein Mangel. Auf der Grünenbacher Seite der Brücke erinnern Gedenksteine an die vergangenen Glanztaten heimischer Baukunst. Gegenwärtig, während des BER(liner Flughafen)-Desasters und der VW-Krise, wirken sie wie Meilensteine aus der guten, alten Zeit: Balsam auf die Seele deutscher Ingenieurszunft. Unterhalb des neuen Bauwerks, auf dem Weg in den Eistobel - leider hinter dem Infopavillion mit Kassenhäuschen - vermitteln ein Modell im Schaukasten und ein herausgeflexter Originalstahlträger einen plastischen Eindruck der alten Brücke.

Ort: 88167 Maierhöfen im Allgäu

Die Fahrt ins Blaue geht weiter: in der Ortschaft Grünenbach erwartet mich eine mysteriöse Kultstätte. Aber seht selbst…

Mehr

Das Pellen der Zwiebel

Gepostet von am Nov 10, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Am Tag der populären Leonhardifahrt in Tölz herrscht Föhn im Voralpenland. Zum Ehrentag des entfernten Cousins - seines Zeichens Schutzpatron des Viehs - hat Petrus, der „Wettergott“, die Kissenparty am Himmel abgeblasen. Ein Kaiserwetter, das zum Biken einlädt.

Das warme Lachen der Sonne zaubert einen wohligen Hauch von Frühling in die Luft. Aber im Schatten der Berge und Wälder ist Väterchen Frosts kalter Atem bereits spürbar. Noch ist seine Macht begrenzt, doch schon liegt er im Hinterhalt auf der Lauer. Nun gilt es, ihm in passender „Rüstung“ entgegenzutreten.

Wie heftig die klimatischen Gegensätze am heutigen Tag sind, merke ich bei der rasanten Abfahrt meiner Hausstrecke, von Irschenberg über Fehleiten nach Götting: floss beim Angriff auf die Steigung in der prallen Herbstsonne selbst im kurzen Dress der Schweiß in Strömen, kühle ich beim Ritt hinab ins Mangfalltal merklich aus. Hätte ich mir nur ein Vorbild an der Natur genommen…

Denn wie bei anderen Outdooraktivitäten, empfiehlt sich auch beim Biken das Zwiebelschichtprinzip. Die Zahl der Schichten ist zugunsten der nötigen größeren Bewegegunsfreiheit auf dem Bike reduziert:

Ihr seht selbst: Auffälligkeit ist Trumpf.
Im Stadtdschungel ist Sichtbarkeit ebenso überlebenswichtig wie bei forst- und landwirtschaftlichem Verkehr in freier Wildbahn. Apropos Wildbahn: ein Jagdunfall ist schnell passiert! Auch in der Dämmerung ist zwar die Gefahr, von einem Waidmann mit zittrigen Fingern irrtümlich auf’s Korn genommen zu werden, gering. Die gestiegene Zahl der Jäger macht es aber nicht unwahrscheinlicher 😉

Die Hauptsaison endet im Oktober. Das macht es schwer, im Einzelhandel noch bikespezifische Kleidungsstücke für die kalte Jahreszeit zu bekommen; der knappe Ausstellungs- und Lagerraum wird von Outfits für den Skisport belegt. Zu jeder Jahres-, Tages und Nachtzeit dagegen kann in Online Sport- und Outdoorshops wie Vaola oder Bergzeit eingekauft werden; die Anbieter haben oft eigene Themenseiten für spezifische Sportarten, so auch für den Radsport.

Wer oben genanntes beherzigt, kommt auch in der kalten Jahreszeit über die Runden - ohne den nächsten Föhntag womöglich erkältungsbedingt im Bett zu verbringen.

Mehr

Limes 2.0

Gepostet von am Nov 8, 2015 in Allgemein | Keine Kommentare

Nein, es handelt sich bei diesem Wall nicht um eine Rekonstruktion des römischen Bollwerkes der Antike. Auch nicht um das viel diskutierte Bauwerk zum Stopp von Massenmigration und illegaler Einwanderung.

Weder dient die Mauer dazu, barbarische Horden noch eine islamische Invasion aufzuhalten. Die rund 700 Meter lange Lärmschutzwand trennt den Irschenberger Ortsteil Wölkam von der Autobahn A8 - und soll die lärmgeplagten Anwohner vor den Schallemissionen von knapp 85.000 Kraftfahrzeugen schützen, die täglich die Anschlussstelle Irschenberg in beiden Fahrtrichtungen passieren.

Einziger Wehrmutstropfen: der Baugrund für den Lärmschutzwall musste von den Anwohnern unentgeltlich abgetreten werden.

Mehr
Seite 4 von 8« Erste...23456...Letzte »