Johann Wolfgang von Goethe, "Erinnerung"
Wenige Rosenheimer wissen, dass hinter Mauern und Zäunen der Kaserne in der Burgfriedstraße ein tragischer Held der vergangenen Bonner Republik seinen Lebensabend verbrachte. Der legendäre Präsident des Bundeskriminalamtes Horst Herold war Gegenspieler Nummer Eins der Rote-Armee-Fraktion (RAF) und avancierte zum Popstar der Terrorismusbekämpfung. Nach dem verheerenden Deutschen Herbst des Jahres ’77 musste Herold allerdings feststellen, dass seine Loyalität eine Einbahnstrasse war.
Horst Herold war ein kriminalistisches Genie seiner Zeit; unter seiner Ägide wurde das Bundeskriminalamt (BKA) von der Provinzklitsche zum deutschen FBI. Nicht auszudenken, hätte ihn eine Laune des Schicksals auf die Seite seiner Kontrahenten verschlagen.
Denn obgleich (erzwunger) Kriegsteilnehmer der nationalsozialistischen Wehrmacht, hatte Herold als Kind an der kommunistischen Jugendbewegung teilgenommen; während seines Studiums war er Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund. Zeitlebens blieb Herold SPD-Mitglied.
Eine gewisse, wenn auch geringe ideologische Schnittmenge mit „der Gegenseite“ war also durchaus vorhanden. Bewunderer prägten den bildhaften Vergleich, Herold nutze diese Schnittmenge, sich „in den Hirnen seiner Gegner regelrecht einzunisten“ - um ihre weiteren Schritte vorherzusehen.
Kommissar Computer, wie man Herold wegen seiner Obsession für die elektronische Datenverarbeitung auch nannte, wurde zur Gallionsfigur im Kampf gegen den politischen Extremismus. Bereitwillig hob er den Fedehandschuh auf, den die Linksterroristen von RAF und der Bewegung 2. Juni dem bundesdeutschen Establishment in Form von Attacken und Attentaten vor die Füße schleuderten. „Wir kriegen sie alle“ - so sein vielzitiertes, düsteres Versprechen an Kader, Mitläufer und Sympathisanten des linken Terrors. Der Erfolg schien ihm Recht zu geben.
Die Erfolgssträhne des Horst Herold endete mit der Entführung von Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer. Die Ermordung Schleyers - Resultat einer polizeiinternen Übermittlungspanne - wurde zu Herolds Waterloo. Das Vertrauensverhältnis zu seinem Vorgesetzten, FDP-Innenminister Gerhart Baum, zerüttete zusehends. Der Minister mißbilligte Herolds technokratische Arbeitsweise, schon die Einführung der Rasterfahndung ging ihm zu weit; es war der Zweck, der die Mittel heiligte.
Herolds für damalige Zeit visionäre Idee eines „Digitalisierten integrierten Breitband-Sondernetz der Polizei für Sprache, Bild, Daten„, kurz DISPOL - quasi ein vorweggenommenes polizeiliches Intranet - quittierte der Minister mit vorzeitigem Gesprächsabbruch. Ein Treppenwitz der Geschichte, denn wie wir heute wissen, vermochte auch der linksliberale Datenschützer Baum es nicht, die vernetzte „schöne neue Welt“ aufzuhalten.
Von seinem Dienstherrn verraten und verkauft, wandelte sich die öffentliche Wahrnehmung des BKA-Präsidenten vom Ritter in strahlender Rüstung zum megalomanischen Datenschnüffler mit Allmachtsphantasien.
Wie für Napoleon sollte auch für Herold das Exil Konsequenz seines persönlichen Waterloos werden. Nachdem er mit nur 57 Jahren, vorgeblich aus gesundheitlichen Gründen, in den vorzeitigen Ruhestand versetzt wurde, machten ihm die Sicherheitsbehörden unmissverständlich klar, dass sie von nun an nicht mehr für seine körperliche Unversehrtheit garantieren konnten.
Wie sehr Herold in Ungnade gefallen war, zeigte die Reaktion auf seinen Vorschlag, in die USA auszuwandern, wo er sich mithilfe des FBI ein neues Leben aufzubauen gedachte. Die Bürokraten ließen Herold abblitzen, maßgeblich unter der Begründung, keinen Präzedenzfall zu schaffen. Stattdessen bot man ihm ein Grundstück in der Rosenheimer Grenzschutzunterkunft Hans Ritter von Lex an. Hier, hinter den Mauern der Polizeikaserne tief im Süden des von Franz Josef Strauß regierten Bayerns, sollte Herold sicher sein wie in Abrahams Schoß. Die Kosten für seine Eremitage - 600.000 DM für das Grundstück und ein Fertighaus, das jahrelang von schützenden Erdwällen umgeben war - musste der Mann, der von 1971 bis 1981 sein Leben im Kampf gegen den politischen Extremismus riskiert hatte, auf Heller und Pfennig persönlich berappen.
Das Dienstrecht und die Pflicht zur Verschwiegenheit hinderten Herold daran, die traumatischen, in die bundesdeutsche Geschichte eingegangenen Ereignisse öffentlich aufzuarbeiten. Wie zu seiner Amtszeit die Dienstwohnung auf dem Dach der Betonburg des Wiesbadener BKA, wurde auch der Bungalow im beschaulichen Rosenheim zu Herolds Gefängnis. Nur hin und wieder beehrten ihn auswärtige Besucher - so zum Beispiel Otto Schily, law and order verfechtender Innenminister der Regierung Schröder, der ironischerweise vor seiner politischen Karriere nicht wenige von Herolds früheren RAF-Widersachern anwaltlich vertreten hatte.
Die Erdwälle, die das Wohnzimmer der Herolds jahrelang in Schatten tauchten, sind lange seit 1998 eingeebnet worden - dem Jahr der Selbstauflösung der RAF. Auch Horst Herold ist weg. Der gebürtige Thüringer verließ Rosenheim in Richtung seiner Heimatstadt Nürnberg. Die Lage seines vormaligen Domizils in der Burgfriedstraße ist weiterhin Streng vertraulich.
Ort: Grenzschutzunterkunft „Hans Ritter von Lex“, Burgfriedstr. 34, 83024 Rosenheim
MehrAm Vorabend des 1. Novembers ist Halloween, die Nacht der Bräuche rund um Hexen, Vampire und Gespenster. Das Wort Halloween geht auf die englische Bezeichnung für den Vorabend von Allerheiligen zurück.
Bereits die Kelten feierten vor über 2.000 Jahren das Fest „Samhain“ - zum Abschied des Sommers und als Begrüßung des Winters. Nach dem damals genutzten Kalender fand es immer am 31. Oktober statt. In dieser Nacht sollten die Seelen der Verstorbenen als Geister auf die Erde zurückkehren, wozu große Feuer entfacht wurden. Jene Geister, die trotz der Feuer nicht den Weg in ihre alten Häuser finden konnten, spukten durch die Nacht und erschreckten die Menschen.
Anfang der 1990er Jahre kam Halloween aus den USA und Irland auch nach Deutschland. Aufgrund des Golfkrieges 1991 war der Karneval abgesagt worden, weswegen die Idee entstanden ist, die Karnevalsartikel zu Halloween zu verkaufen. Daraus entwickelte sich ein lukratives Geschäft auch für Landwirte, denn 2009 wurden 90.000 Tonnen Kürbisse geerntet und zu Halloween verkauft.
MehrVor der Qual kommt die Wahl: nicht zuletzt die jährlichen Statistiken der Bergwacht belegen, wie entscheidend der richtige Schuh für den Outdoor-Sportler ist. Doch im Dschungel der Bezeichnungen von B wie Bergstiefel bis Z wie Zustiegsschuh würde sich wohl selbst Bear Grylls verirren. Der Fachhändler SportScheck präsentiert nun einen neuen Ansatz.
Im Onlineshop setzen die Münchener in Sachen Schuhwerk zukünftig auf den Outdoorschuhberater: nach Geschlecht und Schuhgröße definiert der Benutzer den Einsatzzweck, das Terrain und die zu erwartenden klimatischen Bedingungen. Anschließend werden Präferenzen für Merkmale wie Material, orthopädisches Fussbett oder Steigeisenfestigkeit vergeben, und voilà - der Berater stellt dem Interessenten die relevanten Modelle vor.
Im Gegensatz zu Konkurrenten wie Globetrotter verzichtet SportScheck auf das Fachchinesisch des Sportschuhhandels: der potentielle Käufer muss sich nicht im Selbststudium über die Unterschiede zwischen Wanderschuh und Hikingschuh aufklären, kann aber dennoch guten Gewissens zum Kauf schreiten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Allrounder Zalando. Leider ist der Outdoorschuh-Kaufberater nur halbherzig umgesetzt, bereits nach zwei Optionen gelangt man zu den üblichen Ergebnissen.
Natürlich lassen sich die vom Outdoorschuhberater angezeigten Empfehlungen - wie auch von anderen Onlineshops bekannt - durch eine Preisspanne oder der Auswahl bevorzugter Marken weiter filtern. Auch die eingangs im „Beratungsgespräch“ getätigten Eingaben können im Nachhinein noch revidiert werden.
Den Link zum SportScheck Outdoorschuhberater findet Ihr noch mal hier.
MehrZum Frühjahrsbeginn am 21. März, noch unter dem Eindruck der partiellen Sonnenfinsternis, verabreden sich der Sedlbauer Done und ich uns Nachmittags zum Spaziergang über ein weithin unbekanntes Naturdenkmal.
Wie ein schlafender Bergriese aus dem nahen Wendelsteinmassiv liegt die Biber inmitten des beschaulichen Brannenburg. Was kaum jemand weiß: mit einer Fläche von 0,24 Qudratkilometern ist die Gesteinsinsel, die sich in der Ebene des Inntals erhebt, Bayerns größtes Naturdenkmal.
Das Massiv entstand während der letzten Eiszeit und besteht aus Konglomerat, das in unseren Breitengraden eher als Nagelfluh bekannt ist. Der Geologe definiert Konglomerat (vom lat. conglomerare, „zusammenballen“) als Verbindung aus grobkörnigem Kies und Geröll, das durch feinen Sand gekittet ist. Ein Prinzip, das unsere Vorfahren zur Erfindung des Beton inspirierte. Nicht umsonst nennt man den Nagelfluh im Volksmund auch „Herrgottsbeton“.
Der „Biberstein“ ist ein Baustoff der Kontraste. Beim Errichten von Bauernhöfen im Inntal und Chiemgau fand der natürliche Massivstein ebenso Verwendung wie bei Monumentalbauten in den Metropolen des Landes. Genannt seien hier exemplarisch der Glockenturm am Olympiastadion in Berlin, der anlässlich der berüchtigten Sommerspiele 1936 erbaut wurde, und das Portal der Ludwig-Maximilians-Universität in der Münchener Amalienstraße.
Nach den Materialschweinereien der Nachkriegszeit - Stichwort Asbest - ist Nagelfluh wieder en vogue geworden. Back to the roots gewissermaßen. Für Nachschub sorgen an der Biber noch heute drei Steinbrüche, ihre Steilwände erreichen Höhen von bis zu 50 Metern. Ein imposantes Höhenprofil, vor allem wenn man bedenkt, dass sich die Biber nur maximal 25 Meter über den Talboden erhebt. Aber vom Maulwurf lernen heißt siegen lernen, und so arbeiteten sich die Sprengmeister auch in den Untergrund vor.
Von oben betrachtet, wirkt die Biber ganz schön angefressen. Mit dem gleichnamigen Nager hat sie aber nichts zu tun: die Wortherkunft ist unbekannt.
Mit der Biber ist es wie mit vielen - im Auge des Betrachters - schönen, aber nicht montanen oder gar alpinen Orten unserer Voralpenregion: sie verblassen schlichtweg im Schatten der nahen Berge und bleiben „Geheimtipp“ für Eingeweihte. Wer allerdings schon die Belagerung touristischer HotSpots wie dem Simsee oder einschlägiger bekannter Berggipfel durch Horden aus der Metropolregion München überleben erleben durfte, ist dankbar für diese verhältnismäßigen Oasen der Ruhe.
Von Dones Wohnort in der Madau, Bad Aiblings ehemaligem Glasscherbenviertel, währt die Fahrt an den Eingang des Inntals keine halbe Stunde. Mit dem Föhn-O-Mobil belegen wir frech einen Stellplatz gegenüber dem Posthotel in der Sudelfeldstraße.
Durch oberbayerisches Postkartenidyll mit Bächlein und Bergkulisse schlendern wir in Richtung des schattigen Etwas, das sich inmitten des Ortskerns von Brannenburg erhebt.
Neben einigen älteren Häusern, die sich an die waldigen Hänge der Biber drängen, entdecken wir auch zwei neue Gebäude auf ihr. Die Bauten, die man mit Fug und Recht als Anwesen bezeichnen kann, wurden in gerodeten Schneisen errichtet und lassen bei entsprechender Vegetation einen großartigen Blick ins Wendelsteingebiet zu. Die Herrschaften mit dem nötigen Kleingeld bleiben naturgemäß lieber unter sich, und so verwehrt uns das Schild Privatstraße unterhalb der Neubauten fürs Erste den Zugang zur Biber. Stattdessen biegen wir links ab in die Dapferstrasse und passieren die Metzgerei Kürmeier, bis zu einem steilen Forstweg, den zwei Halbstarke auf Mountainbikes zum Downhill missbrauchen; wohlgemerkt ohne Helm und mit dürftiger Radbeherrschung. Um Haaresbreite brettern uns die Kamikazes über den Haufen. Unbeeindruckt lassen wir die verhinderten Nachwuchs-Knochenbrecher hinter uns und folgen dem ansteigenden Wirtschaftsweg.
Durch einen beliebigen deutschen Mischwald erreichen wir nach einigen Minuten ein circa vier Meter hohes Gebäude. Die hochliegenden, vergitterten Fenster betonen das industrielle Erscheinungsbild.
Der Bau wirkt hier merkwürdig deplatziert; in einem Anfall von Verfolgungswahn umgehen wir ihn getrennt. Doch törichte Spekulationen über eine oberbayerische „Area 52“ oder einen Bunker voller Wunderwaffen der Nazis weichen der Erkenntnis, dass es sich wohl um einen kommunalen Zweckbau handelt.
Hinter dem ominösen Gebäude wendet sich der Weg gen Süden. Ein wildromantischer Steig führt, von Bänken gesäumt, über den Westrand des Massivs.
Die noch spärliche Vegetation gibt den Blick auf Brannenburg und die umliegenden Berge frei. Dächer und Fenster glitzern in der tiefen Frühjahrssonne. Neben dem Gezwitscher der gefiederten Höhenbewohner dringt nur der vertraute Klang der Zivilisation zu uns hinauf. Bei schönstem Frühlingswetter und zu bester Feierabendzeit am Freitagnachmittag begegnete uns hier oben bisher noch keine Menschenseele.
Teil 2 wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Danke für Eure Geduld!
Mehr„Bete und arbeite“ - so lautete, etwas verkürzt - der Sinnspruch der Benediktiner. „Bete und pedaliere“ lautet abgewandelt mein ganz persönlicher Sinnspruch für den Feierabend des „Dusty Tuesday“. Denn es liegt etwas in der Luft…
MehrDer frühe Vogel fängt den Wurm: in wochenweise wechselnden Schichten pendelt der Sedlbauer Done werktags von Aibling nach Thansau. Und schon auf dem Weg zur Frühschicht, wenn unsereiner nur mühevoll das nötige Quentchen Energie aufbringt, sich ein letztes Mal im Bett umzudrehen, arbeitet sein Verstand auf Hochtouren. Im Folgenden fasst er seine messerscharfen Gedanken in Worte und teilt uns seine Beobachtungen mit.
MehrEine Ära ist zu Ende: der 6190 Meter hohe Mount McKinley ist nicht länger höchster Berg des nordamerikanischen Kontinents. Es war aber weder ein Rechenfehler, noch ein jüngerer Emporkömmling mit sagenhafter Wachstumsrate, der den Berg aus dem Kreise der Seven Summits kegelte - der McKinley wurde lediglich „Opfer“ seines indigenen Alter Egos.
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